Dollarkursentwicklung aktuell - Euro Dollar Prognosen

3 Gründe, warum wir uns Sorgen um den Euro machen

Der Euro wird zum Jahresauftakt durchgereicht. Er sinkt mit 1,07 Dollar auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Wenn China hustet, dann ist das für die Wirtschaft in Europa ein sehr viel größeres Problem als für die in den USA. Hinzu kommen klare Anzeichen weiterer Lockerungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie Forderungen nach raschen Zinserhöhungen einer führenden US-Notenbankerin.

1. China
In China stürzt der Aktienmarkt am ersten Handelstag nach wenigen Stunden um 7% ab. Daraufhin wird der Handel ausgesetzt und die Händler vorzeitig nach Hause geschickt. "Wenn China eine harte Landung hinlegt, ist die Rezessionsgefahr nicht da, sondern wir haben die Rezession", warnt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner.

2. US-Zinsen
In Europa ist die Wirtschaft sehr viel stärker vom Außenhandel abhängig als in den USA. Die Konjunkturabkühlung Chinas stelle für die US-Wirtschaft keine großes Risiko dar, sagt die Chefin des Fed-Notenbankbezirkes von Cleveland, Loretta Mester, im Gespräch mit Bloomberg. Sie könne sich auch ein zügigeres Tempo bei den anstehenden Leitzinserhöhungen vorstellen, erklärte Mester gegenüber Reuters. Die US-Wirtschaft sei sehr gesund.

3. Euro-Inflation
Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im Dezember 2015 bei 0,2%. Das ist nur ein Zehntel von dem, was die EZB anpeilt. Volkswirte hatten mit 0,4% gerechnet. Die tiefe Teuerung gibt Notenbankchef Mario Draghi neue Munition an die Hand. Wenn die EZB im März 2016 neue Inflationsprognosen vorliegt, könnte sie den Einlagenzins auf -0,40% (aktuell: -0,30%) senken und den Kauf von Staatsanleihen bis Ende 2017 verlängern, mutmaßen Analysten.


Ergebnis:
Der Euro startet 2016 ähnlich schwach wie 2015. Im 1. Quartal 2015 wurde der Euro von 1,21 Dollar auf 1,05 Dollar durchgereicht. Gemäß den Prognosen der meisten Banken wird es zwar in den kommenden drei Monaten nicht ähnlich stark bergab gehen, sonst stünde der Euro nämlich zu Ostern bei 0,96 Dollar. Ein Rückgang auf 1 Euro = 1 Dollar (Parität) scheint aber möglich.

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Präsidenten-Trio: Die fetten Jahre des Dollar kommen noch

Der Obama-Dollar steht hoch im Kurs. Wie unter den US-Präsidenten Reagon und Clinton zeichnet sich eine mehrjährige Stärkephase der amerikanischen Leitwährung ab. Spekulanten springen auf den fahrenden Zug auf. Für den Euro wird es nicht nur wegen höheren Zinsen in den USA eng. Die EU ist in einer Krise, und eine Krise geht zu Lasten der Gemeinschaftswährung. Dies zeigte bereits das Scheitern der EU-Verfassung vor elf Jahren.

Der Anstieg des Reagon-Dollars dauerte fünf Jahre. 1981, mit dem Einzug von Ronald Reagon ins Weiße Haus, nahm die bereits 1979 begonnene Aufwertung der US-Währung dank Steuersenkungen und Leitzinserhöhungen Fahrt auf. Der Clinton-Dollar kletterte von 1996 bis 2001 wegen einer brummenden US-Wirtschaft und Haushaltsüberschüssen. Der Obama-Dollar steigt seit knapp zwei Jahren. Insofern dürfte der Greenback noch ein paar fette Jahre vor sich haben.


Inzwischen befindet sich nicht nur die Eurozone in einer Krise, sondern die gesamte Europäische Union (EU). Warschau fordert Brüssel heraus und ein Ende der Flüchtlingskrise ist nicht in Sicht. Hinzu kommt ein etwaiger Austritt Großbritanniens (Brexit). Der Zustand der EU ist schlechter als 2005. Damals lehnten Frankreich und die Niederlande die EU-Verfassung ab, woraufhin der Euro um 10 Cents gegenüber dem Dollar nachgab.

Spekulanten erhöhen ihre Wetten auf den Dollar. Mit 161.047 Kontrakten tippen Hedgefonds auf eine Abschwächung des Euro, wie aktuelle Datenerhebungen der US-Terminmarktaufsicht CFTC zeigen. Das ist schon wieder beinahe so viel wie Anfang Dezember 2015. Damals waren es in der Erwartung einer Aufstockung der monatlichen Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) 182.845 Kontrakte.

Aus der Sicht von Devisenanlysten schließt sich 2016 der Kreis zwischen EU-Politik und EZB-Geldpolitik. Denn die politischen Raufereien in der EU verunsichern die Finanzmärkte. Diese führe wiederum dazu, dass die auf die Entwicklung von Zinsen und Aktien hochsensibel reagierende Draghi-EZB die ultralockere Geldpolitik unbegrenzt in die Zukunft fortschreibe. Der Euro habe gegen den Obama-Dollar somit keine Chance.

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20 Monate Talfahrt sind nicht genug: Dem Euro wird es nach Einschätzung führender Devisenexperten 2016 nicht gelingen, Boden gegenüber dem US-Dollar gutzumachen. Das ist insofern interessant, weil die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt von ihrer ultralockeren Geldpolitik ein Stück weit abwich. Der Euro hat es dennoch schwer, weil der von dem Drucken von Notenbankgeld ohne Reue angerichtete Schaden zu groß ist.

Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank prognostizieren bis Ende 2016 einen Rückfall des Euros auf 0,95 Dollar. "Die Zinsdivergenz zwischen den USA und der Eurozone stärkt den Dollar und lässt ihn damit gegenüber dem Euro sogar unter die Parität rutschen", begründet die Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM). Ein wenig zuversichtlicher ist man bei Morgan Stanley. Hier erwartet man 1,00. Die Prognose der Commerzbank sieht den Euro bei 1,03 Dollar.


Mario Draghi wollte Anfang Dezember 2015 die Geldschleusen weiter aufreißen. Er wurde aber laut Agenturmeldungen von einigen nationalen Notenbankchefs eingefangen. Es war eine Zäsur: Draghi kann nicht länger mit öffentlichen Lockerungsankündigungen vorpreschen, die er sich dann im Nachhinein vom EZB-Rat absegnen lässt.

Aus der Sicht des Euros tut es allerdings keinen Abbruch, dass sich im EZB-Rat um den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, einige Falken versammeln. Draghi hat der Gemeinschaftswährung seit Mai 2014, als 1 Euro noch 1,40 Dollar war, so viele Tiefschläge verpasst, dass es womöglich noch Jahre dauern wird, bis eine Erholung einsetzt.

Ergebnis:
Gemäß den Wechselkursprognosen der Banken wird der Euro von 1,09 Dollar am Jahresbeginn auf etwa 1,00 Dollar am Jahresende sinken. Obschon Mario Draghi nicht mehr schalten und walten kann wie er gerne möchte, bleibt die Geldpolitik der EZB superlocker. Für den Euro ist das fatal, weil in den USA die Geldpolitik gestrafft wird und die Zinsen steigen.

Kommt die Jahresendrallye des Euros auf 1,1450 Dollar?


Der Euro lässt sich von höheren Zinsen in den USA nicht abschrecken, und so klettert der EUR/USD-Wechselkurs auf 1,10. Untermauert wird der vor einer Woche bei 1,05 begonnene Höhenflug von robusten Konjunkturdaten. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten hat der Euroraum beim Wachstum noch Platz nach oben. Der Euro Dollarkurs notiert aktuell bei 1,0990. In den USA muss man für 1 Dollar umgerechnet 0,91 Euro hinlegen.

Es gilt inzwischen als so gut wie sicher, dass die US-Notenbank (Fed) am nächsten Mittwoch ihren Leitzins auf 0,50% erhöhen wird. Die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich zuletzt weiter verbessert. Eine bei 5% liegende Arbeitslosenrate signalisiert, dass es die seit sieben Jahren andauernde Nullzinspolitik nicht mehr braucht.

Die Wirtschaft im Euroraum erzielte im 3. Quartal 2015 ein Wachstum von 0,3% gegenüber dem Vorquartal, teilte Eurostat mit. Nach amerikanischem Vorbild wird die Konjunktur vom Konsum getragen. Die privaten Konsumausgaben erhöhten sich um 0,4% - nach einem Plus von 0,3% im 2. Quartal 2015. Die staatlichen Ausgaben der 19 Euroländer verdoppelten sich vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise auf 0,6%.

Gemäß den neuen Wachstumsprognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Wirtschaft im Euroraum im laufenden Jahr um 1,5% zulegen. Für 2016 rechnet man mit einem Wachstum von 1,7% und für 2017 mit 1,9%. In den USA ist weniger Spielraum vorhanden. Einer Umfrage des nationalen Ökonomen-Verbandes zufolge wird die US-Wirtschaft im laufenden Jahr nicht um 3,1% wie ursprünglich prognostiziert expandieren, sondern nur um 2,4%.

Wenn der Eurokurs die Marke bei 1,10 Dollar knackt, könnte es gemäß der Charttechnik in einem ersten Schritt auf 1,11 Dollar gehen. Sollte auch auch dieser Widerstand wegbrechen, wäre Platz bis auf 1,1450. Im Falle einer Talfahrt müsste sich der Euro bei einer Unterstützung bei 1,0820 Dollar befestigen, um vor einem Rückfall in den Bereich 1,05-1,06 verschont zu bleiben.

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