Dollarkursentwicklung aktuell - Euro Dollar Prognosen

Die Kirchturmspitze der europäischen Einigung wankt

Noch wird der Euro als Gemeinschaftswährung wahrgenommen. Er ist die Kirchturmspitze der europäischen Einigung. Er soll Kriege zwischen den europäischen Völkern unmöglich machen: Denn alle sitzen im gleichen Boot. Diese Wahrnehmung steht auf den Spiel. Wenn die Sache in Griechenland schief geht, verliert die Euro-Währung ihren Charme und ihre Faszination. Sie würde zu einer nicht mehr funktionierenden Kreditkarte verkommen.

Schade eigentlich, dass die Amerikaner die Deutschen bei der Schaffung des Euros vor ihrem Hilfewahn nicht beschützt haben. Man darf nicht vergessen, dass der Euro eine riesige Solidaritätsleistung Deutschlands an Südeuropa ist. Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland bekamen durch ihn niedrige Zinsen. Sie können ihre Handelsdefizite bei der Europäischen Zentralbank (EZB) anschreiben lassen. Zahlungsbilanzkrisen sind unmöglich.


Im Gegenzug mussten die Südeuropäer ihre Finger von der Notenpresse lassen. Denn in Italien, Griechenland und anderswo reichten die Notenbanken vor der Euro-Einführung leidenschaftlich Kredite an die Regierungen aus. Diese Staatsfinanzierung über die Notenpresse ist im Euroraum verboten.

Sollte Griechenland den Euroraum verlassen, wäre das wirtschaftlich kein Problem. Die griechische Wirtschaft macht gerade einmal 2,5 Prozent des gemeinsamen Währungsraums aus. In Berlin und Brüssel fürchtet man sich aber vor den Konsequenzen eines Grexit. Der Blue-Chip-Währungsraum wäre in den Augen von Börsianern im Grunde genommen nichts anderes als ein technisches Konstrukt fester Wechselkurse. Anstatt Euro könnte auf Banknoten ebenso Lira, DM oder Franc stehen.

Spätestens wenn der Euroraum wieder einen Wirtschaftsabschwung durchläuft, würde die Frage nach dem nächsten Austrittskandidaten gestellt. Zypern und Portugal haben bereits jetzt große Mühe, weil der Euro für sie nicht weich genug ist. Schließlich dürften auch die Menschen in Italien und Spanien zum dem Schluss kommen, dass ein Euro-Austritt keine Blasphemie ist. Der Euro wird im Süden, anders als im Norden, nicht als europäischer Friedensgarant wahrgenommen. Er ist eine Art Kreditkarte. Wenn sie nicht mehr funktioniert, braucht man eine neue.

Tsipras pfuscht bei Volksabstimmung - Euro 2 Cents leichter

Griechenland hat sich in die Sackgasse manövriert, worunter inzwischen auch der Euro leidet. Denn was der griechische Ministerpräsident Tsipras macht, ist einer Volksabstimmung nach europäischen Standards unwürdig, befindet der Europarat. Der Eurokurs nähert sich mit großen Schritten 1,10 Dollar. Die Prognostiker bei Goldman Sachs reiben sich die Hände.

Aktuell notiert der Euro bei 1,1080 Dollar. Das sind zwei Cents weniger als zu Wochenbeginn. Um eine vernünftige Diskussion zu ermöglichen, müsse ein Referendum mindestens zwei Wochen im voraus angekündigt werden, sagt der Generalsekretär des Europarates, Thorbjorn Jagland, der Nachrichtenagentur Associated Press. Darüber hinaus genüge das griechische Referendum nicht den Anforderungen, weil die Fragestellung sehr unpräzise sei.

Wer ist mit Demokratie und Volksabstimmungen nicht so ernst nehme, der werde sich erst recht nicht an die Auflagen der Geldgeber halten, sagen Kritiker. Es sei somit nur eine Frage der Zeit, bis Griechenland den Euroraum verlassen müsse.

"Der Anstieg des Euros in dieser Woche auf die Nachricht des griechischen Referendums ergibt für uns keinen Sinn", schreiben die Analysten von Goldman Sachs. "Wir sehen nach wie vor die zunehmenden Spannungen über Griechenland als Beschleuniger für den Euro-Dollar, um nahe an die Parität zu gehen."

Weiterlesen: Gibt Griechenland Goldman die EUR/USD-Parität?

Euro nimmt Tsipras' Schuljungen-Streich auf leichte Schulter

Der Euro lässt sich von der griechischen Regierung nicht in die Irre führen, und so springt der EUR/USD-Wechselkurs erst über 1,10 und dann über 1,11. Es sieht nach einem Eigentor aus, das Alexis Tsipras auf Zuspiel seines Finanzministers Yanis Varoufakis geschossen hat. 325 Europäer, die außerhalb Griechenlands mit dem Euro bezahlen, sitzen am längeren Hebel.

Zum Handelsauftakt sinkt der Euro auf ein Vierwochentief bei 1,0955 Dollar. Es kommt zu einem hohen Verlusten, nachdem die griechische Regierung mit einem eiligst einberufenen Volksentscheid den Zusammenhalt des gemeinsamen Währungsraums aufs Spiel setzt. Der Euro bleibt allerdings nur kurze Zeit unter 1,10 Dollar. Es folgt ein steiler Anstieg auf 1,1165 Dollar.

Die Paritäts-Prognostiker von Goldman Sachs sitzen auf dem falschen Dampfer. Das kann in der nächsten Woche aber schon wieder ganz anders ein. Sollten die Griechinnen und Griechen gegen die von den anderen Euroländern geforderten Reformen stimmen, wäre der Grexit nahe. Dies machten heute noch einmal Frankreichs Präsident François Hollande und Deutschlands Vizekanzler Sigmar Gabriel klar.

"Ich wende mich an die griechische Bevölkerung und bitte sie mit Ja abzustimmen", sagt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Wenn Griechenland mit Nein abstimmt, sagt Griechenland Nein zu Europa." Es passe nicht zu Griechenland, eine Demokratie gegen 18 andere auszuspielen, betont der Luxemburger.

Die Chancen für ein Ja steigen von Tag zu Tag. Hintergrund sind Kapitalverkehrskontrollen. Jeder Bürger mit griechischer EC-Karte kann lediglich 60 Euro pro Tag abheben. Mit diesem Zustand dürfte kaum jemand einverstanden sein. Und so setzen die Geldgeber offenbar darauf, dass viele Griechen in der Öffentlichkeit zwar aus Trotz für ein Nein werben, ihr Kreuz aber beim Ja machen, um so schnell wie möglich wieder vollen Zugriff auf ihr Geld zu bekommen.

Am Montag nach dem Volksentscheid könnte der Euro dann einen Satz nach oben machen. Alexis Tsipras würde bei einem Ja wie ein kleiner Schuljunge dastehen, der etwas ausgefressen hat.

Gibt Griechenland Goldman die EUR/USD-Parität?

Laut einer Dollarkurs Prognose von Goldman Sachs soll der Euro bis Ende 2015 zwölf Cents einbrechen. Der Kelch 1 Euro = 1 Dollar werde an der Gemeinschaftswährung nicht vorübergehen. Als Gründe nennt die Bank eine noch lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) als Antwort auf einen griechischen Staatsbankrott. Noch notiert der Euro bei 1,12 Dollar.

"Wir schätzen, dass es gleich im Anschluss eines Staatsbankrotts drei große Stellen (3 Cents) nach unten geht", heißt es in einem von den Goldman-Sachs-Analysten Robin Brooks, George Cole und Michael Cahill verfassten Marktbericht.

Damit sei die Talfahrt aber nicht beendet. Zu Verhinderung von Ansteckungseffekten sei es "so gut wie sicher", dass die EZB ihr Wertpappierkaufprogramm ausweite. Dies dürfte dazu führen, dass der Euro in den folgenden Wochen noch einmal sieben Cents auf den US-Dollar einbüße. Bis Jahresende 2015 sieht man den Euro bei 1,00 Dollar notieren.


Für Goldman Sachs ist Griechenland Auslöser eines neuen Rückgangs. Der Euro war zwischen Anfang Mai 2014 und Mitte März 2015 von 1,3994 Dollar auf 1,0462 Dollar (-25,24 Prozent) eingebrochen. Es folgte eine Erholung, die Mitte Mai 2015 mit der Bildung eines Hochs bei 1,1468 gipfelte. Seitdem stehen die Zeichen wieder auf Talfahrt. Es geht aber deutlich langsamer bergab, als zu Jahresbeginn.

Weiterlesen: Goldman Sachs sieht Euro auf 0,80 Dollar sinken

"Letztendlich glauben wir, dass in den kommenden Monaten die unterschiedlichen Ausrichtungen der Geldpolitik einer der wichtigsten Treiber für den Euro-Dollar-Kurs sein werden", sagt die Chef-Volkswirtin Michala Marcussen von der Société Générale dem Finanzsender CNBC. Die US-Notenbank Fed steht kurz davor ihren Leitzins anzuheben, während die EZB bis September 2016 Staatsanleihen kaufen will.

Griechen werden für Euro-Abwertung dringend gebraucht

Für die Euro-Retter ist die Abwertung des Euros eine willkommene Begleiterscheinung des Schuldenstreits mit Griechenland. Der Eurokurs bricht von 1,1410 Dollar auf 1,1135 Dollar ein. Je weicher die Gemeinschaftswährung wird, umso stärker fällt die konjunkturelle Erholung des Euroraums über die Exportschiene aus.

Alexis Tsipras ringt sich dazu durch eine Reformliste nach dem Geschmack der Geldgeber vorzulegen und hört damit auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) als kriminelle Organisation zu beschimpfen. Das kommt in Brüssel gut an: "Ich gehe davon aus, dass wir diese Woche eine Einigung mit Griechenland finden", sagt EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker.

In dem von Tsipras regierenden Syriza-Bündnis brodelt es. Die Reformliste sei der Grabstein für Griechenland. Der Ministerpräsident müsse sich gegenüber den Abgeordneten erst einmal für das Scheitern der Verhandlungen erklären, heißt es.

Selbst wenn das Parlament die neuen Spargesetze durchwinken würde, bleibt das Problem der Umsetzung. Er habe den Eindruck, dass das griechischen Verwaltungssystem dazu garnicht in der Lage sei, gibt der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, im Deutschlandfunk zu bedenken.

Derweil nimmt die konjunkturelle Erholung im Euroraum ohne Griechenland Fahrt auf. Die Stimmung im produzierenden Gewerbe hellt sich auf, wie die brandneuen Einkaufsmanagerindizes (PMI) des Forschungsinstituts Markit zeigen. Besonders erfreulich: Frankreichs PMI klettert mit 50,5 Punkten über die Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Man könnte zu der Schlussfolgerung kommen, dass Italien und Frankreich, die nicht müde werden zu betonen, dass sei am liebsten 1 Euro = 1 Dollar hätten, Griechenland vor den Karren spannen, um den Euro abzuschwächen. Ansteckungseffekte gehen von Hellas nämlich keine mehr aus.

Ist der Euro bei 1,14 Dollar abnormal hoch?

Dass der Eurokurs bei einem Grexit kräftig steigen werde, sei Nonsens. So lautet die Schlussfolgerung von Charles Dallara, der als Chef des Internationalen Bankenverbandes vor einigen Jahren für einen Schuldenschnitt Griechenlands grünes Licht gab. Am Devisenmarkt geht das Aufbäumen weiter. Der Euro klettert mit 1,1435 Dollar auf den höchsten Stand seit einem Monat. Das werde sich bald ändern, sagt eine deutsche Großbank.

"Im Moment sieht es für mich danach aus, als ob die Märkte auf einen Zahlungsausfall vorbereitet sind, weshalb es ein Blutbad geben könnte", sagt Dallara im Gespräch mit dem Finanzsender CNBC. Eine Staatspleite Griechenlands würde die Glaubwürdigkeit der Eurozone beschädigen. Ferner gebe es andere Länder in Südeuropa, die zwar auf dem Weg der Besserung seien, aber hohe Arbeitslosigkeiten aufweisen, wodurch der Glaube in das politische System erschüttert werde.

Der Euro-Dollar-Kurs steigt die vierte Woche in Folge. Die Aufwertung der Gemeinschaftswährung ist nicht auf die Vorfreude eines Grexit zurückzuführen, sondern vielmehr auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Sie senkte ihre Prognosen für künftige Zinserhöhungen. Fed-Chefin Janet Yellen erwähnt mit keinem Sterbenswörtchen, dass man den seit acht Jahren bei Null liegenden Leitzins im September anheben könnte.

Der Euro-Dollar-Kurs legt daraufhin um knapp zweieinhalb Cents zu. Beinahe hätte die Gemeinschaftswährung ein im Mai bei 1,1445 Dollar erreichtes Hoch unter sich gelassen, was sie so teuer wie seit vier Monaten nicht mehr gemacht hätte.

"Doch direkt nach der Fed-Sitzung tritt die USD-Seite erst einmal in den Hintergrund. EUR-USD dürfte in der kommenden Woche vorwiegend von den Nachrichten aus der Eurozone bewegt werden. Denn eine Lösung der Griechenland-Frage zeichnet sich weiterhin nicht ab", analysiert die Commerzbank die komplizierte Gemengelage. Der Euro-Dollar-Kurs würde angesichts der Unsicherheit und des steigenden Risikos einer Staatspleite negativ reagieren, meint die Bank.

Gemäß den aktuellen Dollarkurs Prognosen der Commerzbank wird der Euro in den kommenden drei Monaten auf 1,06 sinken. Für das Jahresende rechnet man mit einem Wechselkursniveau von 1 Euro = 1,04 Dollar. Ein Ende der Schwächephase ist laut Deutschlands zweitgrößter Bank auch im nächsten Jahr nicht in Sicht. Dann soll 1 Euro nur noch 1 Dollar wert sein.

Weiterlesen:
Wohin segelt der Euro bis Ende 2015? 6 Dollar Prognosen